Dienstag, 28. Januar 2014

Jahreshauptversammlung

Geschichtsverein will sich mehr einbringen

Geschichtsverein will Heimatgeschichte erfassbar machen und ein Konzept für die Gesamtstadt auf den Weg bringen.

 

Der Geschichtsverein will sich weiterhin aktiv in die Stadtentwicklung einbringen. Das hat Vorsitzender Konrad Theiss bei der Hauptversammlung am Dienstagabend im MTV-Heim deutlich gemacht. Die Vorstandschaft des knapp 300 Mitglieder starken Vereins wird sich deshalb dieser Tage mit Oberbürgermeister Thilo Rentschler treffen.

 

Aalen. Was ist auf kultureller und geschichtlicher Ebene in Aalen notwendig und was nötig? Diese Frage beschäftigt den Geschichtsverein schon seit einiger Zeit. Durch die gemeinsam mit dem Kunstverein und der Geologengruppe erarbeitete Museumskonzeption werde der Geschichtsverein in der Öffentlichkeit wieder stärker wahrgenommen, so Vorsitzender Theiss, der sich überwältigt von der großen Resonanz der Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung zeigte.
Weil das neu geschaffene Amt für Kultur und Tourismus direkt dem OB unterstellt ist, erhoffe man sich gute Chancen, ein vernünftiges Konzept für die Gesamtstadt auf den Weg bringen zu können. Auch bei der Planung und Umsetzung des Stadtovals will sich der Geschichtsverein aktiv einbringen mit guten Vorschlägen. „Für die Umsetzung brauchen wir die aktive Mitarbeit unserer Mitglieder“, sagte Konrad Theiss. Zudem überlege man, Heimatgeschichte erfassbar und greifbar zu machen. „Eine Art regionales Wikipedia“, so Theiss.
Dr. Roland Schurig, Leiter des Amtes für Kultur und Tourismus und Geschäftsführer des Geschichtsvereins, teilte der Versammlung mit, dass zwar 90 Prozent der Bestände von Altstadt und Teilorten im Archiv verzeichnet seien, allerdings die Forschung neu organisiert werden sollte. „Eventuell durch ein Stipendium des Vereins“, überlegte Schurig. Außerdem müsse man sich künftig intensiv mit dem Thema „Ausstellungen“ beschäftigen. Kunst solle sich in den Raum hineinbewegen. Dafür habe das Rathaus durchaus Qualitäten.
Das Vereinsjahr 2014 bietet elf Veranstaltungen. Start ist am 25. Februar mit einem Vortrag im Limesmuseum zum Thema „Erster Weltkrieg“. Es folgen Tagesfahrten ins Württembergische Landesmuseum und zur Veitskapelle nach Stuttgart, ins Badische Landesmuseum, ins Optische Museum nach Nördlingen und nach Ravensburg ins Kunst- und Wirtschaftsmuseum. Komplettiert wird das Angebot durch eine viertägige Studienfahrt in den Raum Marburg.
Bei den Neuwahlen wurde der seitherige Vorstand wieder gewählt. Lediglich im Beirat ergaben sich Neubesetzungen. Ausgeschieden sind Werner Hertle, Willi Popp und Norbert Weber. Für sie wurden Josef Schermann, Hermann Schludi und Beate Schön ins Gremium gewählt.

 

 

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Dienstag, 12. November 2013

Vortrag Dr. Petra Krönneck


Alte Knochen sind kein Abfall

Archäozoologin hält Vortrag in Unterkochen über die Knochenfunde von der Kocherburg

Alte Knochen sind nicht einfach nur Abfall: Die Archäozoologin Dr. Petra Krönneck hielt einen Vortrag über ihre Arbeit. Der Geschäftsführer des Geschichtsvereins Aalen, Roland Schurig, begrüßte dazu zahlreiche Besucher im vollbesetzten Unterkochener Rathaussaal.

Aalen-Unterkochen. Petra Krönneck arbeitet an der Uni Tübingen im Fachbereich Archäozoologie. Sie hat die Knochenfunde von der Kocherburg wissenschaftlich bestimmt und Rückschlüsse auf das mittelalterliche Leben auf der Burg gezogen.
Petra Krönneck zeigte in ihrer Bildpräsentation, wie sie bei ihrer Arbeit, die oft einem Puzzlespiel gleicht, vorgeht. Sie konnte 74 Tiere aus dem Knochenfund bestimmen: Wildtiere wie Rothirsch und Wildschwein, die gejagt wurden sowie Haus- und Arbeitstiere wie Schwein, Rind, Ziege, Schaf, Pferd und Esel. Wie alt waren die Tiere, als sie geschlachtet wurden? Dr. Krönneck erkennt es am Gebiss, weil dort gerade ein junger Backenzahn aus dem Kiefer wuchs. Alte Arbeitstiere erkennt man gut an dem Knochenwachstum an den Vorderfußgelenken. Auch angewachsene Sehnen sind ein Zeichen für alte Arbeitstiere.
Zwei Vogelknochen sind eine Besonderheit, weil diese feinen, filigranen Knochen meist zerfallen. So konnte an dem Hühnerknochen die Zerlegespuren vor dem Kochen gezeigt werden. Schnitt- und Bruchspuren sind auch an anderen Knochen zu finden. Mit dabei war auch ein Kranich. In der mittelalterlichen Sumpflandschaft war dieser häufig und wurde mit Falken gejagt. Er stand nur auf einem herrschaftlichen Speiseplan, zum Beispiel der Ellwanger Fürstpröbste.
Spannend war die Bestimmung der Hundeknochen. Da die Schädelknochen eine lange, gerade Nase aufweisen, musste genauer untersucht werden, ob es sich nicht um einen Wolf handelte. Dies wäre eine Sensation gewesen, da es bis heute in Deutschland speziell für das Mittelalter dazu keine Knochenfunde gibt. Erst die genaue Vermessung der Backenzahnreihe und Vergleiche mit weltweiten Funden macht deutlich: es ist kein Wolf.
Beim Rundgang vor der Vitrine mit den beiden Hundeschädeln wurde nachgefragt, ob dies etwa der Pudel von der Kocherburg sein könnte. Zum Erstaunen aller konnte Dr. Krönneck dies bestätigen, denn der Pudelkopf hat ebenfalls eine lange, gerade Nase. „Auf der Kocherburg gab es sowohl gewöhnliches Essen als auch herrschaftliche Speisen“, fasste Petra Krönneck zusammen.
Für die ehrenamtliche Archäologengruppe in der Initiative Ruine Kocherburg schilderte Benny Rieger wie und wo die Fundstücke im Bereich der Ruine gefunden und dokumentiert wurden. So konnten über 90 Knochen zur Bestimmung an Dr. Petra Krönneck weitergegeben werden.
In den Vitrinen waren weitere Originalfundstücke zu sehen: Münzen, ein Läusekamm, Armbrustbolzen sowie Nadeln, Fingerhut und zwei Siegelstempel. In einer Vitrine konnten Keramikkacheln gezeigt werden, die Fabrikant Adolf Palm vor 100 Jahren bei Grabungen auf der Ruine gefunden hatte.

 

 

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Dienstag, 26. Februar 2013
Jahreshauptversammlung

 

Konrad Theiss: Wir geben keine Ruhe"

Geschichtsverein sorgt sich weiter um das Aalener Museumskonzept - Interessantes Jahresprogramm

Die Kultur in Aalen darf nicht weiter ‘unter ferner liefen’ behandelt werden". Dies sagte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Konrad Theiss, im voll besetzten MTV Gymnastiksaal unter dem Beifall der Mitglieder. Theiss fordert eine nachhaltige Konzeption der Aalener Museen.

ERWIN HAFNER

Die Geehrten des Geschichtsvereins Aalen, ganz links Geschäftsführer Dr. Roland Schurig, rechts der Vorsitzende Konrad Theiss.

Aalen. Theiss erinnerte an die gemeinsam mit dem Kunstverein und der Geologengruppen angeregte Expertise über die Meinung der Bevölkerung zur Museumsfrage. Als Paukenschlag" bezeichnete er das Museumskonzept der CDU- und Grünenfraktion. Das Moratorium von OB Gerlach verhindere wenigstens befürchtete Schnellschüsse. Immerhin sei danach das Gespräch mit den beiden Fraktionen in freundlicher Atmosphäre" verlaufen, so dass er zuversichtlich hoffe, in diesem Jahr ein Stück weiter zu kommen.
Nach einem stillen Gedenken an die fünf im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder freute sich der Vorsitzende über neue Beitritte, so dass der Verein jetzt 271 Mitglieder zähle. Wie im vergangenen Jahr, wo sieben Vorträge und fünf Exkursionen ein gutes Echo fanden, werde man auch 2013 Schwerpunkte setzen: einmal mit dem Blick auf die Nachbarstädte, zum andern mit der Industriegeschichte und deren lokale Bezüge. Und natürlich werden wir in Sachen Museen keine Ruhe geben und weiterhin unsere Position vertreten", erklärte Theiss.
Er dankte allen Vorstandsmitgliedern und anderen Aktiven für ihr Engagement. Besonderer Dank galt Schatzmeister" Roland Uhl, der in bewährter Weise die Geldgeschäfte darlegte, die von H. Scherbaum für in Ordnung befunden wurden.
Geschäftsführer Dr. Roland Schurig stellte danach das Jahresprogramm vor. Einer Studienfahrt ins Ruhrgebiet (Essen, Bochum etc.) im Mai geht ein einführender Vortrag voraus. Im Juni gilt eine Fahrt zu Schloss Hohenlohe-Schillingsfürst und Bad Winsheim, im Juli zu den Fugger-Residenzen zwischen Iller und Lech mit dem Besuch einer Opernaufführung im Barocktheater in Weißenhorn. Eine Studienfahrt nach Venedig ist für Oktober geplant. Dazu kommen Vorträge über die Kochenburg und Oberkochen und im Rahmen der Caracalla-Sonderausstellung im Limes-Museum. Eine Aalener Luftaufnahme für 40 Jahre Mitgliedschaft erhielten: Dr. Eugen Hafner, Dorothea Truckenmüller, Willi Popp, Konrad Theiss, Roland Uhl, die Schwäbische Post SDZ-Medien (i. V. Erwin Hafner), Gerhard Kayser, Hans-Jörg Stützel und der Vorsitzende des Ellwanger Geschichtsvereins, Amtsgerichtsdirektor i. R. Joachim Renschler.
Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Jochen Urban, Ursula Sauerborn und Karl Schmid geehrt. Dr. Eugen Hafner dankte namens der Geehrten und regte an, den Vorsitzenden des einstigen Schubart-Bundes, Willi Henne, in Erinnerung zu behalten.

Wolfgang Nußbaumer über die Schwarze Schar
Es wurde dunkel im Saal, fast ganz Nacht - so wie am Fastnachtssonntag in Ellwangen, da alle Lichter erlöschen und die furchterregende Schwarze Schar im Fackelschein durch die Straßen zieht und in den Lokalen honorigen Biedermännern in Versform die Leviten verliest. Den dazu gehörenden Trommelwirbel immitierte Wolfgang Nußbaumer kurzerhand mit eigenem stimmlichem Rumdidibum - weil halt wie so oft die Technik versagte.
Der ehemalige Kulturredakteur der Schwäbischen Post schmunzelte eingangs seines Vortrags über die mehr als 150-jährigeTradition der Pennäler Schnitzelbank Ellwangen darüber, dass seine Aalener Zuhörer schon den ganzen Abend via Bildprojektion unter Oberaufsicht" der Ellwanger Spitalweibla aushielten.
Diese gehörten mit anderen Maskengruppen obligatorisch zu dem einzigartigen Ellwanger Mummenschanz.
Wie überhaupt der alljährliche Auftritt der Schwarzen Schar, vor allem für auswärtige Besucher immer mehr durch die grandiose Attraktion und weniger durch die Verse zum Erlebnis werde, weil richtige Originale, wie einst der Hans-Karl Stengle und andere, seltener geworden sind und so nur noch kaum einer zum Ritter der Goldenen Sau geschlagen wird.
Trotzdem: mancher Ellwanger, der glaubt, wichtig zu sein, dem aber die Ehre der Schnitzelbank nicht zuteil werde, reagiere verschnupft.
Wolfgang Nußbaumer verstand es, bei seinem, mit vielen amüsanten Anekdoten eines Referenzpennälers gespickten, geschichtlichen Rückblick das Alleinstellungsmerkmal der Pennäler Schnitzelbank zu untermauern. Und als er zum Schluss das Gaudeamus igitur" als Hymne der Schwarzen Schar anstimmte, unterstützte ihn spontan sein begeistertes Aalener Auditorium.

 

 

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Dienstag, 20. November 2012
Vortrag Dr. Roland Schurig
Zwischen "Engel" und "Mercatura"
Entwicklung und Wandel des Industrieareals Nördlicher Stadtgraben

 

Ein gigantischer Entwicklungsprozess

Eine völlig neue Stadtsilhouette hinter dem Nördlichen Stadtgraben – Vortrag beim Geschichtsverein

Wo heute das Kaufhaus Mercatura, das Ärztezentrum und das neue Wohnquartier auf dem ehemaligen Rieger-Gelände die Silhouette des nördlichen Innenstadtgebiets bestimmen, dehnte sich einst ein respektabler Industriebereich aus. Wer aber weiß das noch?

 

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    Auf dem Areal der einstigen Lippenmühle baute um 1900 Carl Bader eine Schokolade- und Lebkuchenfabrik

Aalen. Zumindest die Älteren unter den vielen Besuchern des interessanten Vortragsabends von Dr. Schurig beim Geschichtsverein freilich erinnerten sich noch gut daran. Dennoch wurde auch ihnen durch die detaillierten Darlegungen des Stadtarchivars im Limes-Museum bewusst, wie sehr die gigantischen Veränderungen in diesem Bereich nicht nur einen städtebaulichen, sondern genauso einen wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklungsprozess bedeuten.

 

Ausgehend von der Nutzung der Wasserkraft durch die einstige Lippenmühle im östlichen Teil des späteren Nördlichen Stadtgrabens, bezeichnete Dr. Schurig die Dimensionen der Stadtplanung in den letzten 150 Jahren als einen „Quantensprung“. Ab 1860 dehnte sich die Stadt mit der Lippenmühe als Keimzelle nach Norden in den Bereich der sogenannten Torwiesen aus, die dem Kocher als Auswegmöglichkeit bei Hochwasser diente.

Alte Bilder dokumentierten die frühindustrialisierte Nutzung des Gebiets. Als erstes Unternehmen siedelte sich um 1900 auf dem Grundstück der Lippenmühle (deren Wasserrad war noch 1910 zu sehen) Carl Bader (später Wil-Bader) mit der Herstellung von „Cacao, Chocolade, Zuckerwaren und Lebkuchen“ an und erweiterte 1921 sein Unternehmen zur Fabrik. Schon 1841 waren daneben die Möbel-Fabrik Kraus und auf dem späteren Rieger-Gelände eine Wollspinnerei entstanden. Dazwischen lagen die heute noch bestehenden Gebäude der Küferei Holzbauer (später Eugen Kaufmann-Küferstüble), Wand an Wand mit einem Huf- und Wagenschmied, sowie dem Maurer und Werkmeister Bezler.

1881 erwarb Heinrich Rieger das Areal der Wollspinnerei und begann mit der fabrikmäßigen Produktion von Haushaltswaren, die er alsbald weltweit absetzte. Das Unternehmen boomte und entwickelte sich zu einem Großunternehmen, dessen „Unteres Werk“ sich über das spätere Remonte- und heutige Zeiss-Areal erstreckte. Doch die Kooperation mit dem Hauskonkurrenten, den „Alexander-Werken“ in Remscheid, führte zum fatalen Niedergang. 1930 wurden 700 Leute arbeitslos.

Die Stadt kaufte das Areal, trat es an den Staat ab, der hier vor dem Krieg die Wehrkreis- Reit- und Fahrschule baute. Den Gebrüdern Rieger blieb das Obere Werk, das heute auf der Erlau ansässsig ist.

Aus dem üppigen Fundus des Stadtarchivs hatte Dr. Schurig noch nie veröffentlichte Fotos ausgewählt, die sowohl Einblicke in die frühindustrielle Arbeitswelt, als auch den baulichen Fortgang (Orion, Stiefelmaier) in dem umrissenen Entwicklungsgebiet eröffnete – nicht zuletzt mit interessanten Luftaufnahmen über das hier ermöglichte stadtnahe Wohnen, Mercatura und Ärztehaus, aber auch mit der sich abzeichnenden Weiterentwicklung in Richtung Bahnhofsplatz.

 

 

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Donnerstag, 24. Mai 2012
Vortrag Dr. Reinhold Weber

„60 Jahre Land Baden-Württemberg“

 

Landeszentrale für politische Bildung gastiert beim Geschichtsverein zum 60. Geburtstag des „Ländles“

Nicht nur ein umfangreiches Dokumentarwerk mit dem Titel „Baden-Württembergische Erinnerungsorte“ hat die Landeszentrale für politische Bildung herausgegeben. Für das 60-Jährige des Landes gastiert die Einrichtung mit einer Vortragsreihe, die sich der Vergangenheit und der Zukunft des „Bindestrichlandes“ widmet, in 16 Städten des Landes. Am Donnerstag begrüßte der Geschichtsverein Aalen die Landesgäste im kleinen Sitzungssaal des Rathauses.

 

 

Von links: Bürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler, Gabriele Seefried, Dr. Reinhold Weber, Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch, Oberbürgermeister Martin Gerlach, Gerhard Kayser (Vize des Geschichtsvereins), Dr. Roland Schurig

 

Die Erinnerungsorte, so sagte Dr. Reinhold Weber von der Landeszentrale für politische Bildung, seien kein Reiseführer. „Eher exemplarische Tiefenbohrungen in das Gedächtnis des Landes“. Nur durch gemeinsames Erinnern gelange Geschichte in die Köpfe. Für diesen Abend übernahm er selbst diese Aufgabe für die zahlreichen Gäste im Rathaus. In seinem sehr lebendigen und anschaulichen Vortrag geht Reinhold Weber ein auf die Gründungsphase Baden-Württembergs.

Eine schwere Geburt sei das gewesen, flankiert von einer ersten Volksabstimmung im Jahr 1951 und einer zweiten knapp 20 Jahre später in Baden. „Die Gründung des Landes musste mit Hilfe des Bundesverfassungsgerichts erfolgen“, erläutert der Referent und bei den Volksabstimmungen „ging es richtig zur Sache“. Wahlplakate, die Weber dem Publikum vorführt, belegen dies.

Schließlich kam es zur Gründung und Reinhold Maier (FDP/DVP) wurde zum ersten Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg gewählt. „Der Name war ein gegossener Kompromiss“, so Reinhold Weber. Auch im Wappen des Landes spiegele sich die Vielfalt der Bevölkerungsgruppen wieder: Im goldenen Schild finden sich drei laufende schwarze Löwen, auf der Plakettenkrone sind von links nach rechts die Wappen von Franken, Hohenzollern, Baden, Württemberg, Pfalz und Vorderösterreich zu sehen.

Der Schild wird von einem goldenen Hirsch (Württemberg) und einem goldenen Greif (Baden) gehalten. Das Land sei zusammengehalten worden durch kluge Integrationsmaßnahmen wie etwa die Flurbereinigungspolitik, die Bahnlinie und die Begradigung des Rheins.

Die Neugliederung des Südwestens wirkte sich auch auf die Kommunen aus. In einer zweiten Reformwelle wurden Kreise und Städte zusammengelegt, in deren Folge auch der Ostalbkreis und die Flächenstadt Aalen gegründet wurden. Die Fülle kleinräumiger Traditionen garantiere gleichsam die Vielfalt des Landes: „Jeder darf sein, was er ist“.

„Baden-Württemberg ist eine Gemeinschaft der Zuversicht“, zitiert Reinhold Weber aus der Antrittsrede von Bundespräsident Joachim Gauck im Landtag. Obwohl es das Land mit dem größten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund hat (25 Prozent), identifizierte sich die junge Generation voll und ganz als Baden-Württemberger.

„Wir haben eine Identität aus mehreren Hüllen“, führt der Referent aus, „sie besteht aus lokalen, regionalen und überregionalen Kreisen“. „Wir haben unsere Gemeinsamkeiten gefunden“, blickte zuvor die stellvertretende Landtagspräsidentin, Brigitte Lösch, in die Zukunft. Es gebe im Südwesten eine demokratische Tradition, bei der Bürger/innen an Abläufen von Anfang an zu beteiligen seien: „Vorhaben sind nur mit den Menschen und nicht gegen sie möglich“. Deshalb solle die von Grün-Rot ausgerufene „Politik des Gehörtwerdens“ fortgeführt werden.

Im Anschluss an die Vorträge lud Stadtarchivar Dr. Roland Schurig, gleichzeitig Geschäftsführer des Geschichtsvereins Aalen, zu weiteren Gesprächen und zur Diskussion ein.

 

 

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Dienstag, 17. Januar 1012

Mitgliederversammlung und Vortrag

 

In einer Ideenwerkstatt den Blick auf Inhalte richten

Geschichtsverein Aalen stellt als Leitgedanken für das Museumskonzept die Frage nach den Inhalten in den Vordergrund

 

Gemeinsam mit dem Kunstverein Aalen und der Geologengruppe Ostalb will sich der Geschichtsverein an der Museumskonzeption aktiv beteiligen. In einer Ideenwerkstatt soll zunächst erarbeitet werden, was in der musealen Gebäudelandschaft gezeigt werden soll. Vorsitzender Konrad A. Theiss berichtete darüber in der Jahreshauptversammlung.

 

 

Der Geschichtsverein ehrte für 25-jährige Mitgliedschaft (v. l.): Karl Markus Klammer, Dr. Arthur Mez, Ursula Barth, Bernhard Theiss, Dietmar Schmidt. Mit auf dem Foto sind Vorsitzender Konrad A. Theiss (2. v.re.), zweiter Vorsitzender Gerhard Kayser (ganz rechts) und Geschäftsführer Dr. Roland Schurig (2. v.l.). (Foto: privat)

Aalen. Der Vorschlag einer ganz neuen Herangehensweise an die ausstehende Museumskonzeption, die sich seither im Gemeinderat fast ausschließlich um die Koordination der Gebäude drehte, stand im Mittelpunkt des Berichts von Konrad A. Theiss. Dass es sich lohne über die Geschichte nachzudenken, die Werte der Vergangenheit zu schätzen und diese entsprechend zeitgemäß zu präsentieren, müsse als Gedankenkomplex voran stehen, so Theiss. Diese neue Vorgehensweise des Geschichtsvereins, des Kunstvereins und der Geologengruppe soll im März den Mitgliedern und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

„Es ist uns wichtig, zuerst die gedankliche Arbeit zu machen, was in den einzelnen Häusern passieren soll“, führte Theiss vor den rund 40 erschienenen Mitgliedern aus. Außerdem sieht er es als eine zentrale Aufgabe des Geschichtsvereins selbst an, sich an der Diskussion aktiv zu beteiligen, um dann gemeinsam mit allen geschichtsverbundenen Vereinen der Gesamtstadt zu einem Ergebnis zu kommen. Dafür will man auch über den eigenen Tellerrand hinaus blicken.

Bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2012 kündigte Geschäftsführer Dr. Roland Schurig den Besuch im so genannten „Humpis-Quartier“ in Ravensburg am 31. März an. „Damit hat Ravensburg eine neuartige Konzeption umgesetzt, die Geschichte zeigt, aber zugleich auch viele Räumlichkeiten multifunktional nutzt“, erklärte Schurig. Davor wird die Kunsthistorikerin Dr. Magdalene Gärtner am 28. Februar im Limesmuseum einen Vortrag über die „Kunst des Sammelns“ halten und einen Überblick über die Institution „Museum“ geben. Neben Ausflugsfahrten nach Aschaffenburg zum Schloss Johannisburg mit Pompejanum, zum Germanischen Nationalmuseum Nürnberg oder zur Keltenausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart, bezeichnete Dr. Schurig den Vortrag in Kooperation mit der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, „60 Jahre Land Baden-Württemberg“, als einen Höhepunkt im Vereinsjahr. Den Vortrag hält Dr. Reinhold Weber am 24. Mai um 19 Uhr im Rathaus Aalen.

 

 

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Donnerstag, 15. Dezember 2011

Weihnachtsfeier

Ochs und Esel seit Beginn

Konrad Theiss über das Weihnachtsgeschehen in Weltgeschichte

 

Wer weiß schon, dass Ochs und Esel in der künstlerischen Darstellung des Weihnachtgeschehens von Anfang an eine wichtige Rolle spielen und schon in der spätantiken Tradition auftauchen? Darüber gab Konrad Theiss in einem interessanten Lichtbildervortrag beim Geschichtsverein Aalen Aufschluss.

ERWIN HAFNER

 

Aalen. Ochs und Esel stehen sinnbildlich als Träger der Lasten des Alltags – der Ochse für das Judentum, der Esel für das Heidentum, ließ Theiss in einem umfassenden Bilderbogen von der Spätantike über die Romanik, die Gotik bis in die Barock- und Neuzeit wissen. Rein kunstgeschichtlich ließen sich die Anfänge nicht begrenzen, wie auch die weihnachtliche Darstellung in den einzelnen Stilepochen unterschiedlich gedeutet werde.

Erste Zeugnisse wurden in den römischen Katakomben aus dem dritten Jahrhundert gefunden – nach antikem Brauch zum Gedächtnis der Toten. In den frühen Kirchen gab es dann noch keinen Bilderschmuck, die Säulen antiker Tempel verschwanden in der konstantinischen Zeit immer mehr im Kircheninnern. Durch die ersten Konzilien wurde mit Maria als Gottesgebärerin die Gottheit Jesu definiert. In der Romanik tauchen in der Weihnachtsdarstellung auf vielen glanzvollen Mosaiken (etwa in Ravenna) auch die Wunder Jesu auf, während Josef meistens eine relativ unbedeutende Randfigur bleibt.

Für die Gotik zeigte Theiss anhand von Beispielen aus der Heimat die erzählende Heilsgeschichte für das einfache Volk auf, deren Ursprung auf Franz von Assisi zurückgeht. Später wird das biblische Geschehen immer mehr in der Welt der Gegenwart (Renaissance/Reformation) angesiedelt, um dann in der Barockzeit vielfältigen Emotionen Ausdruck zu verleihen. Abschließend rückte Theiss die prunkvollen, geradezu theatralischen Barockkrippen in den Blickpunkt, ehe er einen Bogen zu Sieger Köders unterschiedlichen Krippen schlug, in die auch die Menschen unserer Tage einbezogen sind. Dem stimmungsvollen Abend im VR-Kasino gab ein Bläserquartett der Stadtkapelle eine vorweihnachtliche Note.

 

 

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Donnerstag, 17. November 2011
Vortrag - Dr. Christopher Dowe, Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Erzberger in Aalen

 

Der überzeugte Demokrat trat immer wieder auf der Ostalb auf

Er war der größte Reformer des deutschen Steuer- und Finanzsystems. Er beendete den Ersten Weltkrieg durch seine Unterschrift unter das Waffenstillstandsabkommen und unterzeichnete widerwillig den Versailler Vertrag. Den Einsatz für die Demokratie bezahlte er mit dem Leben: der schwäbische Zentrumspolitiker Matthias Erzberger.

ERWIN HAFNER

 

 

Aalen. Und weil dieser eiserne Verfechter der Demokratie aus Buttenhausen trotz alledem fast vergessen ist, erinnert das Haus der Geschichte in Stuttgart an den vor 90 Jahren von rechtsradikalen Offizieren in Bad Griesbach im Schwarzwald ermordeten Finanzminister und Vizekanzler mit einem Erzberger-Jahr. Bei einer Veranstaltung des Geschichtsvereins im Aalener Rathaus ließ der Historiker Dr. Christopher Dowe den Lebensweg, die Verdienste und das Schicksal des aufrechten Katholiken, mutigen Journalisten und Wegbereiters der Demokratie in der Weimarer Republik anhand von Dokumenten und Erinnerungen von Zeitgenossen in beeindruckender Weise lebendig werden.
Was aber hatte Erzberger mit dem Raum Aalen zu tun? Dowe ging den Spuren nach, die an den viel bewunderten, aber auch verhassten patriotischen Reichstagsabgeordneten und Minister in der Kocherstadt erinnern. Schon 1897 kam Erzberger als junger Lehrer zur Gründung des Katholischen Arbeitervereins nach Oberkochen. Zwei Jahre später sprach Erzberger, mittlerweile Redakteur beim Deutschen Volksblatt in Stuttgart, vor 300 Männern in Abtsgmünd. Danach trat Erzberger als Reichstagsabgeordneter mit feurigen Reden immer wieder auf der Ostalb bei Wahlkämpfen auf: 1908 in Ellwangen und 1910 in Aalen. Mittlerweile zum Reichsfinanzminister und Vizekanzler gewählt, ersetzte er Aufsehen erregend den schwarz-weiß-roten Stander an seinem Dienstwagen mit den Farben der Republik: schwarz-rot-gold. Bei Großveranstaltungen verteidigte er 1920 im Aalener Löwenkeller vor 1500 Zuhörern die Zentrumspolitik, genauso wie in Wasseralfingen und Ellwangen vor jeweils über 1000 Menschen. Als er im selben Jahr im Unterkochener „Stern" auftrat, stellte ihm die SA nach. Zur Übernachtung fuhr der „meistverhasste Politiker" der Republik zur Familie von Elektro-Jerg nach Aalen, wo er angeblich unter dem Kopfkissen einen Revolver griffbereit hielt.
Erzberger entging dem Schicksal nicht. Der Auftragsmord einer antisemitischen Geheimorganisation war als Auftakt eines Staatsstreichs gedacht. Weitere Morde folgten, so an Reichsaußenminister Rathenau. „Die Weimarer Republik war nicht bereit für die Demokratie", stellte Dr. Dowe lakonisch fest. Schon vier Tage nach der Ermordung von Matthias Erzberger am 26. August 1921 protestierten Sozialdemokraten und Gewerkschafter bei einer Kundgebung auf dem Spritzenhausplatz. Am 4. September 1921 versammelte die Zentrumspartei im Spritzenhaussaal ihre Anhänger zu einer Gedenkfeier. Ihre Sprecher forderten das politische Erbe des „katholischen Wegbereiters der Demokratie" unvermindert fortzusetzen. In der Salvatorkirche fand danach eine Messe für den Toten statt.

 

 

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Mittwoch, 31. August 2011

Kleinod Kocherburg entdecken

 

Neues Faltblatt erläutert die Entstehungsgeschichte der Kocherburg, Sehenswürdigkeiten und Wanderwege

In einem Waldstück östlich von Unterkochen verbergen sich die restaurierten Mauerreste der Kocherburg. Damit sie von interessierten Wanderern und Radfahrern schneller entdeckt werden können, hat der Geschichts- und Altertumsverein Aalen ein Faltblatt herausgebracht. Zudem enthält es Vorschläge für verschiedene Wanderrouten rund um die Kocherburg. Das Faltblatt wird in der Aalener Touristen-Information sowie an zahlreichen Stellen in Unterkochen ausliegen.
Andrea Kombartzky

Freuten sich über die offizielle Übergabe des Kocherburg-Flyers vor der Ruine in Unterkochen: (von links) Karl Troßbach, Roland Schurig, Karl Maier, Karl-Heinz Schaeffer, Albert Grimm, Dieter Matzik, Erich Holzwarth und Artur Grimm. (Foto: opo)

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http://www.schwaebische-post.de/571530/

Aalen-Unterkochen. Das Schlossbaufeld mit der Kocherburg erhebt sich als Inselberg im Landschaftsschutzgebiet Buchenhangwald über dem idyllischen Ursprung des Weißen Kochers und ist für viele Wanderer gar nicht leicht zu finden.

Die Kocherburg war einst Verwaltungssitz für die Ellwanger Klosterherren und wurde 1645 im Dreißigjährigen Krieg zerstört. 1913 fanden Ausgrabungen statt, mithilfe deren die heute bekannten Grundrissskizzen der Ruine erstellt wurden.

Vor vier Jahren gründete sich als Ausschuss des Geschichts- und Altertumsvereins Aalen die Initiative Ruine Kocherburg (INKO). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die vorhandenen Mauerreste denkmalgerecht zu sichern und zu erforschen. „Damals haben wir auch den ersten Flyer erstellt, der schnell vergriffen war“, erklärt Erich Holzwarth von INKO. Zudem konnten mittlerweile die Ostmauer der Kocherburg gesichert und die Wanderwege neu beschildert werden.

„Deshalb haben wir nun einen neuen Flyer aufgelegt, der neben dem zentralen Punkt Kocherburg die weiteren Sehenswürdigkeiten wie Kocherursprung, Viadukt und Keltenwall enthält“, zählt er auf. Abgerundet wird das Faltblatt durch eine überarbeitete Wanderkarte, die verschiedene Routen zur Kocherburg zeigt. „Die Ruine soll schließlich auch von den interessierten Wanderern entdeckt werden können“, betont Holzwarth.

Auf lange Sicht möchten die Macher von INKO zeigen, wie groß das Schloss einst gewesen ist: Als nächstes Projekt kündigte die Initiative die Sicherung der Südmauer im kommenden Jahr an.

Karl Troßbach, Amtsleiter des Touristik-Services Aalen und Geschäftsführer des Aalener Verkehrs- und Verschönerungsvereins, nahm in seiner Doppelfunktion gerne den Flyer entgegen, wie er betonte: „Schließlich sitzen wir alle im gleichen Boot: Wir wollen das Geschichtsbewusstsein der Menschen stärken.“ Die Burg in der „traumhaften Landschaft“ solle unbedingt erhalten werden, sagte er, da sie „für Touristen eine wunderbare Kulisse bietet, um sich zu erholen“.

Unterkochens Ortsvorsteher Karl Maier bedankte sich beim INKO-Team und betonte ebenfalls, wie wichtig es sei, „die Geschichte sichtbar und lebendig zu halten“.

 

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Donnerstag, 14. Juli 2011
Außerordentliche Mitgliederversammlung

 

Das Image Aalens steht auf dem Spiel

Der Geschichtsverein will bei den Beratungen über ein neues Museumskonzept mitreden

 

Der Geschichtsverein Aalen hat in einer Satzungsänderung den zweiten Namen „Altertumsverein“ gestrichen. Er fordert ein umfassendes Museumskonzept für die Stadt und will sich daran aktiv beteiligen.

Die bisherigen Museumsüberlegungen sind nach Meinung des neuen Vorsitzenden Konrad Theiss allzu vordergründig und die einzelnen Mosaiksteinchen zu negativ besetzt. „Wo steht Aalen in der regionalen Museumslandschaft und was hat Aalen zu bieten?“ Das müsse gefragt werden. Nach Auflösung des städtischen Museums und mit der Streichung der Stadt aus der arbeitsliterarischen Liste stehe das Image der Stadt auf dem Spiel. Dabei habe Aalen doch viel zu bieten, stellte Theiss fest und nannte die römische Geschichte mit dem Limes-Museum, Schubart als Kämpfer für das freie Wort, die Schwäbischen Hüttenwerke als ältestes Industrieunternehmen Deutschlands und das Schloss Fachsenfeld als Kulturzentrum. Ein umfassendes Museumskonzept müsse in der Zielvorstellung längerfristig angelegt sein, wenn es gelte, Sponsoren zu aktivieren. Und dabei erhebe der Geschichtsverein den Anspruch, bei den Beratungen der Stadt gehört zu werden.
Wenn jetzt eine Namensänderung des Vereins vorgeschlagen werde, so entstamme diese Idee, so Theiss, „vor meiner Zeit als neuer Vorsitzender“. Dennoch trage er die Streichung der Bezeichnung „Altertumsverein“ voll mit, genauso wie die folgende Änderung der Zielvorstellungen: Zweck des Vereins ist, die Geschichte der Gesamtstadt, ihrer Vorläufer sowie die thematischen Bezüge in der Region Ostalb zu erforschen und die Ergebnisse zu veröffentlichen, für die Erhaltung der Kultur- und Industriedenkmale im Stadtgebiet zu wirken und den Sinn für Geschichte und Heimat zu pflegen. Als Nachfolger des ehemaligen Schubartbundes für Heimatkunde e. V. setzt der Verein die Tradition fort, Leben und Werken von Christian Friedrich Daniel Schubart zu erforschen und die Ergebnisse zu verbreiten.
Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen, ebenso die Erhöhung der Beisitzerzahl von sechs auf zehn. Zugewählt wurden Dekan i. R. Erich Haller, Architekt Heiner Bickel und Wolf-Dietrich Fehrenbacher als Person und nicht in seiner Eigenschaft als Bürgermeister.
Das Halbjahresprogramm sieht folgende Termine vor: 13. August, Besichtigung der Dorfmühle Unterkochen; 24. September, Tagesfahrt „auf den Spuren des Kaisers Caracalla am Kocher und Neckar“; 27. Oktober, Vortrag von Johann Grau über die Bestandssicherung der Ruine Kocherburg; 17. November, Vortrag von Dr. Christoph Dowe vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg über Matthias Erzberger und Aalen; 15. Dezember, Weihnachtsfeier mit Vortrag von Konrad Theiss über die Weihnachtsdarstellung im Laufe der Jahrhunderte.

 

In Memoriam Hermann Pleuer

Geschichtsverein Aalen ließ Leben und Werk des „Eisenbahnmalers“ Hermann Pleuer lebendig werden

In Stuttgart ist Hermann Pleuer aufgewachsen, aber geboren wurde er 1863 in Schwäbisch Gmünd. Und just zum 150-jährigen Remsbahnjubiläum jährt sich der 100. Todestag dieses erst vielverschmähten Künstlers, der dann aber doch noch als begnadeter Maler, Professor, führender Impressionist und berühmter Eisenbahnmaler hohe Anerkennung fand.

ERWIN HAFNER

 

Aalen. Genug Anlass also für den Geschichtsverein Aalen zum Eisenbahnjubiläum „in Memoriam“ Hermann Pleuer einen Abend zu widmen. Mit ausgewählten Bildern ließ Stadtarchivar Dr. Roland Schurig das bewegte Lebensbild des begnadeten Malers, der die Tochter eines Eisenbahnschaffners geheiratet hatte, Jahre der Armut überstehen musste, weil sein Schaffen lange mißachtet wurde, Revue passieren.
Nach einer handwerklichen Lehre in der elterlichen Firma als Ziseleur und Graveur, Ausbildungs- und Studienjahren in Stuttgart und München schien sich endlich Erfolg abzuzeichnen, als er 1888 an der „Großen Internationalen Kunstausstellung“ im Münchner Glaspalast ausstellen durfte. Aber seine im Remstal entstandenen „Badenden Mädchen“ wurden von Prinzregent Luitpold als „Nuditäten mit schmutziger Wäsche“ beanstandet und abgehängt.
Doch fünf Jahre später ging es dann doch etwas aufwärts. Seinen Durchbruch und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit aber erlangte Pleuer erst mit dem Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit Franz von Koenig-Fachsenfeld. Der kunstsinnige Baron und Mäzen wollte sein Schloss „zu demjenigen Landsitz in Württemberg machen, wo Kunst und Kultur gepflegt werden“ und setzte dort seinem Freund, „dem gottbegnadeten Künstler“ ein Denkmal. Und „fasziniert von der technischen Entwicklung“ malt Hermann Pleuer ab jetzt seine berühmten Eisenbahnbilder, mit denen er in die Kunstgeschichte unseres Landes eingegangen ist. Sogar König Wilhelm II. kaufte persönlich bei ihm etliche Gemälde. Jetzt konnte er auch verreisen, unter anderem mit seinem Malerfreund Otto Reiniger nach Venedig und London.
Nach ersten internationalen Erfolgen im Münchner Glaspalast (1902) und in Berlin wurde er 1907 zum Professor ernannt. Ein Jahr später erhält er den ersten Staatsauftrag für ein Wandgemälde in der Ersten Kammer des württembergischen Landtags. Aber 1909 erkrankt Pleuer an Lungenturbekulose, „der ein durch frühere Not und Entbehrung geschwächter, durch ein starkes Temperament verzehrter Körper nicht den nötigen Widerstand leisten konnte“. So schrieb der „Schwäbische Merkur“ als Hermann Pleuer 1911 dieser Krankheit erlag – zwei Jahre nach dem Tod seines Malerfreundes Otto Reiniger.





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Dienstag, 15. März 2011

Mitgliederversammlung

Konrad Theiss folgt auf Alois Schubert

Vorstandswechsel beim Geschichts- und Altertumsverein – Ehrenurkunde für den scheidenden Vorsitzenden – umfangreiches Jahresprogramm

Die meisten der in großer Zahl ins MTV-Heim gekommenen Mitglieder des Geschichts- und Altertumsvereins erlebten eine Überraschung: Seiner 15-jährigen, äußerst erfolgreichen Ära als Vorsitzender setzte Alois Schubert (80) ein Ende. Mit ihm traten auch sein Stellvertreter Wolfgang Riegraf und Vorstandsmitglied Ulrich Theiss zurück. Als Nachfolger wurden Konrad Theiss und Gerhard Kayser gewählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aalen. In seiner Laudatio würdigte Riegraf sowohl die herausragende Persönlichkeit, als auch die außergewöhnlichen Leistungen von Alois Schubert für den Geschichts- und Altertumsverein, die bleibende Spuren hinterlassen würden. Heimatverbunden, umfassend gebildet, geschichtsbeflissen von Jugend an, habe der langjährige Geschäftsführende Rektor der Aalener Schulen auch als Autor Zeichen gesetzt und bei vielen Menschen, nicht zuletzt über die Aalener Jahrbücher, das historische Interesse geweckt.
In Anerkennung seiner vielfältigen Verdienste überreichte der Laudator an Alois Schubert die Urkunde zur Ernennung als Ehrenmitglied. Alois Schubert dankte seinerseits seinem Stellvertreter Wolfgang Riegraf für dessen vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Nach der Totenehrung erstattete Alois Schubert letztmals einen von zahlreichen Exkursionen, Vorträgen und Ausstellungen gekennzeichneten Jahresbericht. Dabei stellte er die Feiern zum Reichsstadtjubiläum und die in den Brennpunkt gerückte Johanneskirche besonders heraus.
Ehrend wurde der im letzten Jahr verstorbenen Vereinsmitglieder gedacht und sechs nicht anwesende Mitglieder wurden für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Schatzmeister Roland Uhl bezeichnete in seinem Kassenbericht die Mitgliederzahl mit 288 als konstant.
Erich Sayer erstattete den Prüfungsbericht und führte die Entlastung des Gesamtvorstandes durch. Nachdem Alois Schubert den geschichtskundigen Autor und Zeitungsverleger i. R. Konrad Theiss (70) als seinen Nachfolger und Gerhard Kayser als Stellvertreter empfohlen hatte, wurden beide unter Leitung von Josef Schermann einstimmig gewählt. Ebenfalls einstimmig gewählt wurden die Beisitzer F. Dr. Gärtner, Werner Hertle, Wolfgang Riegraf, Norbert Weber, H. Popp und Erich Holzwarth, letzterer für den Vereins-Ausschuss „Initiative Kocherburg“.
Konrad Theiss dankte für das Vertrauen und versprach, sich nach Kräften für die Zielsetzungen des Vereins einzusetzen, die umso wichtiger in einer Zeit seien, in der das Geschichtsbewusstsein wie generell die Kultur Gefahr laufe, immer mehr ins Hintertreffen zu geraten.

Prallvolles Veranstaltungsprogramm im laufenden Jahr
Als Geschäftsführer wies Dr. Roland Schurig auf die geplanten Veranstaltungen dieses Jahres hin: Vortrag über die römische Provinz an der mittleren Donau (31. März), Besuch des Klostermuseums Neresheim (16. April), „Auto-Motive“ Schloss Fachsenfeld (26. Mai), 150 Jahre Remsbahn im Museum Wasseralfingen (30. Juni), eine Veranstaltung für Daheimgebliebene im August, „Auf den Spuren Caracallas“ (24. September), Vortrag über Franz von Koenig-Fachsenfeld (geplant im Oktober), eine Ausstellung über Matthias Erzberger und dessen Beziehungen zu Aalen (17. Oktober), Weihnachtsfeier (15. Dezember).

 

 

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Donnerstag, 21. Oktober 2010
Bestandsaufnahme der Ruine Kochenburg
Vermessung und Versuch einer archäologischen Bewertung

 

Ruine als 3D-Modell


Topografische Vermessung der Kocherburg

Mit einer Bestandsaufnahme der Ruine Kocherburg hat sich der Geschichts- und Altertumsverein Aalen am Donnerstag im Unterkochener Bischof-Hefele-Haus beschäftigt.

Aalen-Unterkochen. Die Initiative Kocherburg (Inko), die sich speziell der Erhaltung und Restaurierung der Burg verschrieben hat, bringt jetzt den Stein ins Rollen; An der Hochschule für Technik in Stuttgart fand der Verein in Professor Dr. Wolf-Ulrich .Böttinger mit drei Studenten die „geeigneten" Helfer, mehr Licht ins unbekannte Zeitalter der hiesigen Wehranlagen zu bringen.

Alois Schubert, Vorsitzender des Altertumsvereins, hob besonders Dr. Palm und dessen Engagement zur Instandhaltung der Ruine hervor, sowie den Schwäbischen Albverein. Zum Kernbereich der Burg, der topografischen Vermessung und ihren Einzelheiten sprachen die beiden Studenten David Lörch und Burak Alpertonga nach einer Einleitung von Dr. Roland Schurig, Geschäftsführer des Geschichts- u.Altertumsvereins.

Die Aufgabe, die zu einer etwa vierwöchigen Messkampagne führte, stellte sich als echte Herausforderung dar. Zur Unterstützung und fachlichen Betreuung engagierte die Initiative Kocherburg den Mittelalter-Archäologen Tillmann Marstaller, der der Gruppe des Vermessungsteams die Eckpunkte des Gesamtbauwerkes deutlich machte. Die restaurierte Südmauer, Graben, Wälle und geheimnisvolle Mauerschächte wurden dem Publikum in anschaulicher Weise aufgezeigt.

Selbst der Laie, der mit Messungen sonst nichts am Hut hat, verstand die Anwendung von Tachymetern und terrestrischen Laserscannern, die von den drei Studenten Albertonga, Lörch und Bühler angewandt wurden. Mit Punktwolken ein plastisches 3D-Modell zu schaffen, das im Vorraum der Veranstaltung nebst anderen Fundstücken zu sehen war, überzeugte auch den letzten Skeptiker des Computerzeitalters. Mauerstrukturen, Licht und Schatten sowie ein „Flug" über das gesamte Areal der Kocherburg ließen die wahre Größe und Dimension der Mauerreste im Animationsfilm deutlich werden.

Archäologe Marstaller unterstrich die geografischen und topografischen Gegebenheiten vor Ort und lenkte die Zuhörer an alten Mauern vorbei zu Buckelquadern, Ofenkacheln und Dachziegeln, die lediglich „Lesefunde" seien, da Grabungen durch das Landesdenkmalamt verboten sind. Den Grabungsplan sowie Kochs künstlerische Darstellung der Burg von 1914 könne man nicht ganz genau nehmen, stellte Marstaller fest. Er belegte dies mit den neuesten Auswertungen.

 

Herrschaftssitz nur kurze Zeit

Ein Schlossneubau zwischen den Jahren 1627 und 1632 könne eindeutig nachgewiesen werden, wenn auch nur für kurze Zeit als Herrschaftssitz genutzt. Im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs wurde er 1645 komplett zerstört.

Die Daten der Auswertungen um das gesamte Projekt Kocherburg überreichte Böttinger in Form einer CD an Aalens Erste Bürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler. Sie lobte diesen spannenden und lehrreichen Abend sowie die bauarchäologischen Bewertungen und die daraus resultierenden Begleituntersuchungen in naher Zukunft.    

 

 

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Samstag, 21. August 2010
Ferienprogramm: Exkursion nach Essingen
Die Malereien der Marienkirche

Gotische Wandmalereien begeistern

Geschichts- und Altertumsverein Aalen auf Exkursion in der Essinger Marienkirche

Auf die Spuren gotischer Wandmalereien hat sich der Geschichts- und Altertumsverein Aalen am Wochenende begeben. In Essingen besuchten vierzig Interessierte die renovierte Marienkirche auf dem Friedhof. Der Vorsitzende des Essinger Heimat- und Geschichtsvereins, Rainer M. Graeter, erklärte den Besuchern aus der Nachbarstadt die etwa 600 Jahre alten Kunstwerke.

HEIKO BUCZINSKI

 

Aalen/Essingen. Von der ehemaligen Kirche „Zu Unserer Lieben Frau“ (Marienkirche) auf dem Essinger Friedhof ist heute nur noch der Chorraum übrig. Das Kirchenschiff wurde im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts abgerissen, und die Steine zum Bau der Friedhofsmauer verwendet. Vier Steinstelen auf der Freifläche vor dem Chorraum zeigen das ursprüngliche Ausmaß der Kirche, wie Rainer M. Graeter, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Essingen, den Exkursionsteilnehmern erklärte.Der Verein ist Pächter der Marienkirche und war zwischen 1988 und 2009 für deren Sanierung und Renovierung zuständig. Die Exkursion des Aalener Geschichts- und Altertumsvereins hatte insbesondere die bei der Sanierung freigelegten gotischen Wandmalereien zum Thema. Zu sehen sind zahlreiche Episoden aus dem Marienleben sowie Heiligengeschichten und die vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Symbolen.Die Wandmalereien und Bildfelder sind in drei Registern angeordnet. Die von den Bildern erzählte Geschichte beginnt chronologisch an der Ostwand im oberen Wanddrittel mit Anna und Joachim, den Eltern der Heiligen Maria.„Wer die Malereien gemalt hat, weiß man nicht“, sagte Graeter. Aber es handle sich definitiv nicht nur um Bauernmalerei, „sondern es waren richtige Künstler am Werk“, sagte er. Anhand vergleichender Untersuchungen sei der Verein gemeinsam mit Experten des Landesdenkmalamtes zu dem Ergebnis gekommen, dass die in Mischtechnik aus Fresko- und Seccomalereien aufgetragenen Darstellungen aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts stammen.„Sie wurden vermutlich mit der Einführung der Reformation in Essingen im Jahr 1538 übertüncht“, sagte Graeter. Ganze sieben Tüncheschichten hätten über den Kunstwerken gelegen. Das sei für die Malereien von großem Vorteil gewesen, denn „sie sind noch im Original da, wurden nie übermalt, nie ergänzt“.Ausführlich erläuterte Graeter den Besuchern die Geschichte der Kirche und analysierte die einzelnen Bilder. Seine Ausführungen stießen bei den Aalenern auf großes Interesse. Der Geschichts- und Altertumsverein lobte das Engagement der Essinger Kollegen und will auch in Zukunft mit dem Heimat- und Geschichtsverein zusammenarbeiten.

 

 

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Donnerstag, 15. Juli 2010
Ein Denkmal von überregionaler Bedeutung
Die Orgel der Johanneskirche von 1802
Vortrag

 

Die Herkunft der Orgel ist geklärt

 

Forum Johanneskirche nimmt in der dritten und letzten Veranstaltung die Orgel in den Blick

Man muss wohl hinter die Dinge schauen, um sie verstehen zu können, um Geheimnisse zu lüften, ein paar Bretter abschrauben und die Fassade lösen –so hat es jedenfalls Kirchenmusikdirektor Thomas Haller mit der Orgel in der Johanneskirche gemacht.

SIBYLLE SCHWENK

 

Aalen. In einem Vortrag stellte er Ergebnisse der Recherchen vor. Dafür hatten sich viele Besucher im stadtgeschichtlichen Kleinod, der Johanneskirche, eingefunden.

Thomas Haller ließ es keine Ruhe, fast gar nichts über die schmucke Orgel der Kirche zu wissen, die einzige historische Orgel des Evangelischen Kirchenbezirks aus reichsstädtischer Zeit. „Deshalb haben wir die Orgel im Februar dieses Jahres einfach auseinandergebaut“, beschreibt Haller und dadurch wurde klar, dass das einmalige Instrument mit dem imposanten Orgelprospekt aus den Händen von Joseph Nikolaus Allgeyer stammt. Allgeyer ist ein Spross in der vierten Generation der Familie Allgeyer aus Wasseralfingen, die heute noch im Holz verarbeitenden Gewerbe tätig ist.

Von mehreren Seiten her kann Thomas Haller den Orgelbauer bestätigen. Zum einen wäre da das Jahr des Orgelbaus. Dies liegt eindeutig notiert in einer Steintafel in der Kirche, wo eine große Spende des Ratsherrn Christian Friedrich Fürgang zu Beginn des 19. Jahrhunderts belegt ist. Zur gleichen Zeit wurde in Hofen eine Orgel von Joseph Nikolaus Allgeyer gebaut, die sein Onkel 1801 gestiftet hat. Dies läßt darauf schließen, dass auch die Aalener Orgel aus seinen Händen stammt. Zum anderen fand Thomas Haller in Rechnungsakten des Stadtarchivs Wartungsaufräge, die von Joseph Nikolaus Allgeyer unterzeichnet sind. Außerdem grub Haller beim Auseinanderbauen der Orgel einen Zettel aus, auf dem Joseph Allgeyer, zwei Mann" zu lesen ist. Jeder Orgelbauer hinterläßt irgendwo seine Visitenkarte", ist sich Thomas Haller sicher.

Die originale Windanlage der Johanneskirchenorgel liegt auf dem Dachboden der Kirche. Der Fund im Jahr 2008 von drei originalen Keilbalken aus dem Jahr 1801 ist für Thomas Haller und die Fachschaft in der Geschichte des Orgelbaus in Baden-Württemberg von immenser Bedeutung. Die gibt es sonst nirgends mehr", sagt Thomas Haller, und wir haben sie direkt vor unserer Nase". Deshalb will der Kirchenmusikdirektor die völlige Rekonstruktion der Joseph-Allgeyer-Orgel für Aalen anleiern. Die technischen Voraussetzungen sind durch die Windanlage da, man müßte die verloren gegangenen Pfeifen wieder installieren". Dies würde für Aalen ein Alleinstellungsmerkmal in Sachen Orgelbau bedeuten. Fachkundige Kreise haben bereits ihr Interesse angekündigt an der Orgel zum Dappen".


Spende für die Orgel

Stadtarchivar Dr. Roland Schurig über den Ratsherrn Christian Friedrich Fürgang:  Es waren strenge Zeiten damals... Das Töchterlein von Fürgang büchst mit ihrem Freund aus und will nach Nördlingen, was damals als äußerst gefährlich gilt. Gerade noch rechtzeitig kann die Sippschaft das Töchterchen heil und behütet nach Aalen zurückbringen. Aus Freude und Dankbarkeit darüber stiftet Fürgang den sehr großen Betrag von 800 bis 1000 Gulden."

 

 

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Donnerstag, 24. Juni 2010
Die Zeit der Luxemburger
Kaiser Karl IV., Wenzel und Sigismund

Als Aalen einen Weinberg besaß

Die Kocherstadt in der Zeit der Luxemburger – Stadtarchivar Schurig öffnete ein Zeitfenster von 100 Jahren

Was hat Aalen mit den Luxemburgern zu tun? Dieser Frage machte so viele neugierig, dass just zum Namensfest des Patrons von St. Johann beim Vortrag von Dr. Roland Schurig Aalens ältestes Kirchle die Zuhörer kaum fassen konnte, die Alois Schubert namens des Geschichts-und Altertumsvereins freudig begrüßte.

ERWIN HAFNER

Aalen. Dr. Schurig beleuchtete die Hintergründe der Stadterhebung vor 650 Jahren. Und jetzt kommt’s: Das Fürstengeschlecht der Luxemburger stellte neben den Habsburgern die meisten römisch-deutschen Könige des Spätmittelalters. Der bedeutendste Vertreter des Hauses, Kaiser Karl IV., war es dann, der Aalen 1360 zur Reichsstadt erhob. Zur Erhellung der Ära der Luxemburger öffnete der Stadtarchivar ein Zeitfenster von 100 Jahren und erläuterte zunächst die „politische Großwetterlage“ in den Jahren von 1370 und 1440, in der regionale Kräfte plötzlich Bedeutung erlangten und sich Aalen bei der Ausbildung neuer Territorien behaupten konnte.

Neue Rechte, neue Märkte
Noch zu seinen Lebzeiten gelang es Kaiser Karl IV., seinen Sohn Wenzel zum römisch-deutschen König wählen zu lassen. Und dieser erteilte Aalen zwei wichtige Privilegien, die für die Selbstständigkeit der Stadt bedeutsam waren: Zum einen wurde Aalen neben den wöchentlichen Wochenmärkten drei weitere Jahrmärkte zugestanden, die sich bis heute gehalten haben: Lichtmess-, Jakobi- und Martini-Markt. Zum anderen sollten ab 1398 die Bürger der Stadt nicht mehr vor fremde Gerichte gezogen werden dürfen. Der letzte Kaiser aus dem Hause Luxemburg, Sigismund, erteilte Aalen schließlich 1433 den Blutbann, das heißt, der Aalener Magistrat entschied ab diesem Zeitpunkt allein über Leben und Tod seiner Bürger und Untertanen.
Von 1360 stammt auch die von dem Ellwanger Abt Kuno ausgestellte Urkunde über die Reaktivierung einer Kaplanei in St. Johann, die von Rüdiger Hofacker bewirtschaftet wurde – mithin ein Hinweis auf das einstige Dorf Aalen beim Hofacker, eine Siedlung, die heute immer noch so heißt.
Auch Aalens Bergbautradition geht, lange vor den Ellwanger Fürstpröpsten, auf Karl IV. zurück, als die Oettinger Aalen verpfändeten und dann im Streit von Kaiser mit dem Haus Württemberg zunächst Böhmen und dann dem Reich übergeben wurde. Karl nahm Aalen unter seinen Schutz, aber mit dem Entstehen der Städtebünde beteiligte sich auch Aalen und konnte somit immer mehr seine eigenen Funktionen ausbauen. Bei den Zollrechten spielte beispielsweise sogar das kleine Himmlingen eine Rolle, weil es hier den einzigen Aalener Weinberg gab.
Insgesamt, so stellte Dr. Schurig fest, habe Aalen „als Mittelpunkt einer königsnahen Region“ mehr von den Luxemburgern profitiert als von den andern Habsburgern. Auf die grundlegenden positiven Veränderungen Aalens in der Reichsstadtzeit, die auch danach bis heute fortgesetzt wurden, könnten die Aalener mit Fug und Recht stolz sein.
Musikalisch stilvoll aufgelockert wurde der Abend von der Kantorei unter Leitung von Thomas Haller mit Teilen einer mittelalterlichen Messe des aus Aalen stammenden Komponisten und späteren Klerikers in Rom, Johannes Aulon.

 

 

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Donnerstag, 6. Mai 2010
Johanneskirche in Aalen
Die frühgotischen Wandmalereien: Bildprogramm, Bedeutung und Einordnung
Vortrag

 

Forscherblicke auf Fresken


Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr „650 Jahre Reichsstadt“ in St. Johannkirche

Festlicher Auftakt des Jubiläums „650 Jahre Freie Reichsstadt Aalen“ durch den Geschichts- und Altertumsverein, in ganz besonderer Weise an einem ungewöhnlichen Ort: im ältesten, aus dem 10./11. Jahrhundert stammenden Gebäude der Stadt, der St. Johannkirche. Und mit ihren bislang noch kaum erforschten romanischen und frühgotischen Wandmalereien.

ERWIN HAFNER

 

Aalen. Gutes Licht und ein bisschen Muße bedarf es gewiss, um die 1973 unter dem Putz entdeckten, fragmentarischen Wandmalereien der St. Johannkirche genauer zu erkennen. Dazu verhalf einem stattlichen Publikum die aus Aalen stammende und in Gmünd tätige Kunsthistorikerin und Restauratorin Dr. Magdalene Gärtner.Mit bildlichen Ausschnitten in vergrößerter Form beleuchtete sie den heutigen auf einer Kalktünche aufgetragenen Restbefund, den Zusammenhang zwischen Liturgie und malerischen Darstellungen sowie die zeitliche Einordnung, hauptsächlich des im Mittelpunkt stehenden Abendmahl-Gemäldes mit einer „Majestas Domini“ als Krönung. Gärtner brachte den Besuchern die Gemälde in einem Rundgang näher, nicht zuletzt mit Beispielen in Kirchen, die Vergleiche mit St. Johann in Aalen zulassen.Die farbige Pracht der romanischen Malereien galt als Trägerin der christlichen Botschaft und hatte einen mehrschichtigen Charakter. Als Lektüre der Laien dienten sie zur Belehrung des einfachen Volkes. Der Altar war zentraler Ort der Eucharistiefeier, der Priester Stellvertreter Christi.Deshalb stand nach Meinung der Historikerin auch in St. Johann der Altar vor dem zentralen Abendmahlgemälde. Dieses entstand wohl um 1200, die an den Seitenwänden den Zyklus fortsetzenden anderen Malereien später. Zusammenfassend stellte Gärtner fest: „Die Wandmalereien stammen sicher aus der Zeit des ersten Baues und sind Zeichen für einen bedeutenden Kirchenraum.“ Die Secco-Technik-Fragmente erlaubten keine zeitliche Verbindlichkeit, der Altar sei an der West- und nicht wie üblich an der Ostwand gestanden. „Der Hauptzugang befand sich unter dem heute noch vorhandenen Rundbogen an der Südseite“, erklärte Gärtner.Die Kantorei der Stadtkirche unter Leitung von Thomas Haller sorgte für eine interessante musikalische Brücke in die Zeit des Übergangs vom gregorianischen Choral zur Mehrstimmigkeit mit Frühwerken des französischen Komponisten Machaut, einem Kyrie und Gloria und zum Abschluss dem gefühlvollen „Agnus Dei“ aus der Messe Notre Dames von Reims. Zu Beginn der Abendveranstaltung hatte Alois Schubert auf das außergewöhnliche Jubiläumsjahr der Stadtgeschichte und die Reverenz an den „Hausherrn Johannes Baptist“ hingewiesen. Kulturbürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher unterstrich die Bedeutung der St. Johannkirche als „außergewöhnliches Schmuckstück“, das leider vielen kaum bekannt sei.

 

 

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Dienstag, 19. Januar 2010, 19.00 Uhr
Gutenberg-Casino der Schwäbischen Post Aalen
Jahreshauptversammlung und Vortrag

 

Blickpunkt Kocherburg

Geschichts- und Altertumsverein lässt die Ruine erforschen

Der Geschichts- und Altertumsverein hofft auf eine Rückkehr ins vertraute Domizil Stadthallenrestaurant und treibt die Untersuchung der Kocherburg voran. Auf der Hauptversammlung wurde von einem leichten Aufwärtstrend bei den Mitgliedern berichtet.

 

Aalen. Der Vorsitzende Alois Schubert sprach von einem erfolgreichen Jahr. Der Film über den Aalener Stadtbrand von 1634 sei sogar nach Bopfingen ausgeborgt worden. „Die Homepage des Vereins zählte immerhin 1455 Besuche“, vermeldete Schubert stolz. Ein erneuter Vortrag über die Ruine Kocherburg und vor allem die Vermessung der Burg durch Studenten der Technik-Hochschule Stuttgart waren wichtige Aktivitäten, die Ergebnisse sollen im Herbst dieses Jahres vorgestellt werden.Auch der Schwäbische Albverein habe beantragt, von den Haupt-Wanderrouten Abstecher zur Kocherburg einzurichten. Die Mitgliederzahl ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen, von 284 auf 288 Mitglieder. „Das Ziel von 300 ist noch nicht ganz erreicht“, meinte Schatzmeister Roland Uhl. Der Kassenbestand ging leicht zurück, bleibt aber stabil. Einstimmig wurden dann Vorstand und Kassier entlastet. Der Geschäftsführer Dr. Roland Schurig stellte dann das Jahresprogramm 2010 vor.Es beginnt am 6. Februar mit einem Besuch des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim mit einer Ausstellung über Alexander den Großen, am 13. März geht es ins Haus der Geschichte in Stuttgart, im April findet ein Vortrag über die Collis-Werke in Westhausen-Reichenbach statt. Am 6. Mai und am 15. Juli steht die Johanneskirche am St. Johann-Friedhof im Mittelpunkt, beim zweiten Termin geht es um die neue Orgel.Vom 3. bis 5. Juni gibt es eine Studienfahrt zur „goldenen Straße“ von Kaiser Karl IV., organisiert von Schurig, der am 24. Juni dann auch einen Vortrag zur Zeit der Luxemburger mit Karl IV., Wenzel und Sigismund halten wird.Am 28. August steht eine Exkursion zur Marienkirche in Essingen auf dem Programm, am 18. September eine Tagesfahrt zu den Römerstraßen auf dem Härtsfeld. Am 21. Oktober wird wie schon erwähnt die Studie zur Kocherburg vorgestellt, und am 9. Dezember findet die Weihnachtsfeier statt.Der Verein war zu Gast im Gutenberg-Kasino der Schwäpo, da das Stadthallenrestaurant derzeit zu ist. Anschließend sprach Konrad Theiss über sein neues Buch „Alle Kunst erzählt vom Leben“.

 

 

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Donnerstag, 3. Dezember 2009, 19.00 Uhr
Casino der VR-Bank Aalen
Weihnachtsfeier

Ostalb-Komponisten entdeckt

Professor Dr. Hermann Ullrich referiert beim Geschichts- und Altertumsverein

Müssen es immer Bach, Mozart, Haydn oder Schubert sein, wenn ein Kirchenchor ein Konzert gestaltet? Nein, meint Professor Dr. Hermann Ullrich. Er hat auf der Ostalb Komponisten und Kompositionen entdeckt, die durchaus einem Vergleich mit den Meistern standhalten.

 

Aalen. „Gloria in excelsis Deo – Himmlischer Jubel“, heißt der Vortrag, mit dem der aus Hofherrnweiler stammende Musikpädagoge und Professor an der Pädagogischen Hochschule Gmünd seine Zuhörer vom Geschichts- und Altertumsverein begeistert. In Worten und eindrucksvollen Hörbeispielen lässt er die vergessenen Komponisten der Ostalb lebendig werden, deren Auffinden allerdings teilweise mühevolle Forschungsarbeit gewesen sei.
Über drei Jahrhunderte erstreckt sich die Zeitreise, an deren Anfang drei reich und kunstvoll bemalte Chorbücher aus dem einstigen Benediktinerkloster Lorch stehen, die gerettet werden konnten, weil sie in die Reichsabtei Neresheim ausgelagert worden waren. Sie zeugen davon, wie hoch im Kloster Lorch einerseits die Kunst der Kalligrafie ausgeprägt war, und andererseits der gregorianische Choral. Das Hörbeispiel ist gestaltet von einer Münchner Schola. Weiter zeigt der Professor einzigartige kulturgeschichtliche Dokumente der Buchmalerei von Leonhard Wagner aus Augsburg, sowie das von dem Gmünder Judenkünig um 1450 verfasste Lehrbuch zum „Lauthen- und Geygenspiel“.
Erschütternd wirkt der Beitrag zur Bopfinger Lokalgeschichte – das „Schön Betlied“ von 1623, mit dem der Schulmeister Andreas Berger (später Hofkapellmeister in Oettingen-Wallerstein) all die Schrecken des 30jährigen Kriegs anklingen lässt. Von der Blüte der Barockzeit auf der Ostalb zeugt die Sammlung von sieben Messen des Neresheimer Benediktiners Alphons Kirchbauer (1693-1751), die er dem Augsburger Kupferstecher Johann Christian Leopold zur Ausschmückung übergab.
Es folgen herrliche Singspiele für das Jesuiten-Gymnasium in Ellwangen, verfasst von dem aus Westhausen stammenden Johann Mauritius Schmid, der später Stiftskapellmeister wurde und dann Kompositionen für die bis 1803 aufgeführten Gmünder Passionsspiele verfasste. Gleichfalls Ellwanger und bekannt: Johann Melchior Dreyer, der großbesetzte Sinfonien schrieb und die rustikale Röttinger Bauernmesse.
Ein Glanzlicht barocker Musik setzte Franz Bühler aus Unterschneidheim, der später als Pater Gregor im Kloster Maihingen und Domkapellmeister in Augsburg war, mit seinem Oratorium „Die göttliche Erlösung des Menschen“. 1804 schreib er zum 40. Geburtstag der Fürstin Oettingen-Wallerstein eine Kantate.
Dem vorweihnachtlichen Charakter des Abends entspricht Offertorium, ein liturgischer Gesang zur Gabenbereitung also, aus der Messe der „Könige von Saba“ von Johann Bernhard Hillemeyr aus Dinkelsbühl, das die Besucher auch als Hörbeispiel fesselt.

 

 

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Donnerstag, 22. Oktober 2009, 19.00 Uhr
Casino der VR Bank Aalen

Vortrag und Film

„Im Feuer verdorben“

Dr. Schurigs Filmpremiere beim Geschichts- und Altertumsverein

Was sind schon die derzeitigen finanziellen Sorgen unserer Stadt gegenüber dem, was die Aalener 1634 nach der großen Feuersbrunst und den folgenden sieben Pestjahren erdulden mussten? Dies mag OB Gerlach durch den Kopf gegangen sein, als er direkt von den Etatberatungen im Gemeinderat zu Dr. Schurigs Filmpremiere beim Geschichts- und Altertumsverein ins VR-Casino geeilt war.

Erwin Hafner

 

Aalen. In der Nacht vom 5. auf 6. September 1634 hatten zwei junge Fähnriche in Diensten des schwedischen Heeres nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen zwei Pulverwagen mitten in der Stadt in die Luft gejagt, um die nachrückenden Kaiserlichen aufzuhalten, was zur größten Katastrophe in der Geschichte Aalens führte. In Flammen auf gingen nicht nur alle Gebäude, sondern auch das städtische Archiv mit allen wichtigen Dokumenten.
„Mit Mut zu Lücken“ entstand im Zusammenwirken von Stadtarchivar Dr. Roland Schurig und der Firma Echtzeit-Media vor dem Hintergrund des 30jährigen „Deutschen Kriegs“ mit der Entscheidungsschlacht bei Nördlingen unter dem Titel „Alles im Feuer verdorben“ ein inhaltlich wie technisch brillant gelungener Film, der als historisches Dokument ein einsdrucksvolles Bild der damaligen Ereignisse vermittelt und jetzt auch im Internet zu sehen ist.
Die wenigen vorhandenen Dokumente und bildnerischen Darstellungen wurden geschickt mit lebenden Landsknechtszenen verwoben, wie sie diesen Sommer beim Schwedenlager auf dem Breitwang unter Mitwirkung des „Bopfinger Haufens“ bestaunt werden konnten..
In seinen Erläuterungen stellte Schurig die städtischen Perspektiven sowohl vor dem großen Stadtbrand, den nur 30 bis 40 Aalener überlebten, und bei welchem ein Schaden von einer Tonne Gold entstand, als auch die Zeit danach heraus, als die neue Stadt entstand und sich das Leben bis Ende des 17. Jahrhunderts wieder einigermaßen normalisierte, wie beispielsweise aus einem Ratsprotokoll hervorgeht.
Die Stadt ging massiv gegen einen Müllersknecht vor, „der Damen in der Beingasse Lichter aufstellte“. Die Aalener hatten indes noch lange nach dem Stadtbrand immer wieder durch Hunger, Einquartierungen und marodierende Söldnerhaufen schwer zu leiden. Dazu kamen außer dem Brandschaden 40 000 Gulden Kriegsschaden.
Weil der Deutsche Orden über die „Kommende Kapfenburg“ immer wieder finanzielle Unterstützung gewährte, bestand die Gefahr, dass sich Aalen ganz in deren Abhängigkeit begeben könnte. Nach Warnungen davor durch die Ulmer, gelang es der evangelischen Stadt jedoch nach einer Bittschrift, 1668 die Huld des Kaisers wiederzugewinnen und mithin die Reichsfreiheit zu erhalten. Aalen musste jedoch 1681 für das stehende kaiserliche Heer im Türkenkrieg drei Reiter und 15 Soldaten abstellen.
Als bezeichnend für das sich allmählich wieder erholende Bürgertum in Aalen nannte Dr. Schurig die Tatsache, dass man Besitzstand nicht nach außen kehrte. „Man war lieber „hählenga“ reich“, was immer man auch darunter verstehen konnte.

 

 

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Donnerstag, 29. Januar 2009, 19.00 Uhr
Stadthallen-Restaurant

Mitgliederversammlung und Vortrag

300 Mitglieder als Ziel

Geschichts- und Altertumsverein Aalen hat 2009 viel vor

Die Tendenz des Geschichts- und Altertumsvereins zeigt nach oben. Nicht nur bei der Mitgliederzahl, die der 300er-Marke entgegengeht, sondern auch beim Interesse, das das neue Jahresprogramm findet. Dies und mehr erfuhren Besucher bei der Versammlung im Stadthallenrestaurant.

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Vorstand und Geehrte: Alois Schubert, Marlene Strohal, Dr. Karl Büscher, Roland Uhl, Geschäftsführer Dr. Schurig und Wolfgang Riegraf. (Foto: -afn-)

Aalen. Der Gesamtvorstand mit Alois Schubert an der Spitze wurde einstimmig wiedergewählt. Schuberts Rückblick auf ein reiches Programm 2008, die von Roland Uhl dargelegten Finanzen mit den Berichten der Kassenprüfer Saier und Weber folgten. Klaus Knopp und Marlene Strohal wurden für 25-jährige Treue zum Verein geehrt. Dr. Karl Büscher wurde für seine wichtigen Beiträge zur Stadtgeschichte mit dem Ehrenzeichen des Vereins ausgezeichnet. Diesselbe Anerkennung erfuhr Schatzmeister Roland Uhl, der seit 36 Jahren über die Vereinsfinanzen wacht.
Geschäftsführer Dr. Roland Schurig erläuterte das Jahresprogramm. So beginnt im Februar die Vorstellung von Kleindenkmalen im Ostalbkreis durch Werner Hertle; im März berichtet Dr. Stephan Bender über das Limes-Informationszentrum Baden Württemberg im Limes-Museum; im April referiert in Unterkochen Dr. Anselm Grupp über die Planung des Schloss-Neubaus der Jahre 1627-1632; Tagesfahrten führen ins Museum nach Speyer (Mai), ins Haus der Geschichte in Dinkelsbühl (Juli); in Erinnerung an den 30-jährigen Krieg ins Ries (September) und zu den Klöstern und Pflegehöfen in Esslingen (November). Dr. Schurig spricht im Oktober über den Aalener Stadtbrand 1634 und, verbunden mit der Weihnachtsfeier, erinnert Prof. Dr. Hermann Ulrich im Dezember an vergessene Komponisten der Ostalb.
Der Abend rundete Sieglinde Brielmaier mit einem Bildervortrag ab, der „Lust auf Regensburg“ machte, wie auch ein reich bebildertes Druckwerk, das nicht nur zur aufschlussreichen Dokumentation der mittelalterlichen Geschichte Regensburgs, sondern mit vergleichenden Perspektiven historischer Baudenkmale in England, Frankreich und Italien zu einem „europäischen Buch“ wurde. Peter, Sohn der Referentin, hatte als gründlich recherchierender Journalist den Grundstock für dieses Werk erarbeitet, dessen Vollendung aber leider nicht mehr erlebt. Er kam bei einem Verkehrsunfall in Regensburg 2005 ums Leben.